Tag Archives: Aufnahme von Krediten

Kredite – wer braucht noch Banken?

Kredit ohne Schufa I

Es ist gerade einmal 25 Jahre her, als ein akuter Kreditbedarf einem Canossagang zur Hausbank gleichkam. Ein Kredit bedeutete, „klamm“ zu sein, finanziell keinen Spielraum zu haben und im Umfeld negativ eingeschätzt zu werden. Diese Situation hat sich grundlegend geändert. Bankmitarbeiter müssen heute Kredite aktiv verkaufen. Kredite sind ein Massenprodukt geworden, welches sie platzieren müssen. Der Druck aus dem Internet über Kreditvergleichsportale hat Darlehenskonditionen transparent gemacht, der Verbraucher entscheidet, wo er seinen Kredit aufnimmt, nicht die Bank, ob sie ihn gewährt. Seit einiger Zeit kämpfen die Filialbanken aber nicht nur gegen die deutlich günstigeren Direktanbieter. Beide, Filialbanken und Onlinebanken, sehen sich einem neuen, gemeinsamen Wettbewerber gegenüber.

Kredite von privat – alter Wein in neuen Schläuchen?

„Suche 5.000 DM von privat“ – so oder ähnlich lasen sich vor vielen Jahren noch die verschämten Anzeigen von Personen in den Printmedien, die Geld benötigten, aber den Weg zur Bank als sinnlos erachteten oder scheuten. Kredite von privat sind aber aus der Schmuddelecke herausgetreten und stehen heute in einem völlig anderen Licht. Dies gelang durch die Einführung sogenannter Kreditplattformen, auf denen Kreditsuchende auf der einen Seite und potenzielle Geldgeber auf der anderen Seite den Kontakt suchen. Die britische Regierung sieht in diesen Plattformen eine gelungene Alternativen zu den Kreditinstituten, um deren Macht zu brechen. Im angelsächsischen Raum ist diese Variante der Kreditvergabe schon deutlich länger verbreitet als hierzulande. Neu an dieser Form der Kreditaufnahme ist, dass nicht ein Geldgeber gesucht wird, sondern das Darlehen in der Regel von mehreren Geldgebern ausgeliehen wird. Eine Übersicht über die populärsten Plattformen bietet unter anderem das Portal kreditvonprivat.net, welches alle Details zu den einzelnen Anbietern auflistet.

Kredite aus der Schweiz

Nur für Menschen mit schwacher Schufa?

Der Verdacht liegt nahe, dass es in erster Linie Verbraucher mit einer schwachen Schufa sind, die sich über ein solches Portal Geld leihen möchten. Dem ist aber nicht so. Banken haben an Reputation eingebüßt, unternehmen auch nichts, daran etwas zu ändern. Immer mehr Menschen, auch solche mit einer Spitzenbonität, versuchen daher aus Prinzip, „das System“ zu umgehen und anderweitig im Finanzsektor aktiv zu werden. Kreditaufnahme bedeutet auch, dass eine andere Person Geld verleihen muss. Ein Portfolio aus den unterschiedlichsten Kreditbeteiligungen stellt faktisch das Pendant zu einem Wertpapierdepot oder der Verteilung von Einlagen auf Festgelder mit unterschiedlicher Dauer dar. Die Kreditnehmer erhalten von den Portalbetreibern ein Rating, der Geldgeber sieht also, welche Bonität sein potenzieller Schuldner haben wird. Für den Kreditnehmer, gerade wenn es sich um Menschen mit einer ausgefallenen Geschäftsidee handelt, bieten solche Portale bessere Optionen, Geldgeber für das Projekt zu begeistern. Banken sind für Innovationen die falschen Ansprechpartner, Geldgeber, die auf innovative Anlagekonzepte wie Privatkredite setzen, schon geeigneter.

Warum die Schufa-Selbstauskunft so wichtig ist

Die Schufa gilt als die größte Datensammelstelle Deutschlands, wurde auch schon mit einer „Datenkrake“ verglichen. Gleich, ob Handy-Vertrag, Baufinanzierung oder Girokontoeröffnung, der erste Schritt ist eine Schufa-Anfrage und im zweiten Schritt die Mitteilung an die Schufa über den eingegangenen Vertrag. Bei der Anfrage eines Einzelhändlers bezüglich der Schufa eines möglichen Kunden erhält der Händler, beispielsweise ein Anbieter für Telefonverträge, in erster Linie branchenspezifische Auskünfte über den Kunden. In diesem Fall bedeutet das, dass primär das Zahlungsverhalten gegenüber Telekommunikationsdienstleistern im Fokus der Auskunft steht. Das Problem bei der Schufa ist, dass die dort gesammelten Daten nicht immer korrekt oder aktuell sind, und somit das Scoring eines Verbrauchers, seine Bonität, herabstufen. Dabei kann es sich um Verwechslungen handeln, falsche Datenerfassung oder nicht gelöschte Einträge handeln. Welche irrsinnigen Blüten die Schufa-Auskünfte treiben können, zeigte vor einigen Jahren das Beispiel eines großen Online-Versandhändlers. Dieser verweigerte die Auftragsannahme, weil im selben Wohnhaus des potenziellen Kunden ein anderer Kunde des Versandhändlers wohnte, der eine Rechnung schuldig blieb.

Wie können Verbraucher einer fälschlichen Schufa vorbeugen?

Das Gesetz sieht vor, dass jeder Bürger das Recht hat, einmal im Jahr eine kostenlose Schufa-Auskunft zu seiner Person anzufordern. Bis vor einigen Jahren führte sogar dieser Schritt dazu, dass sich das Schufa-Scoring verschlechterte.

Stellt der Anfragende fest, dass die Daten falsch sind oder überholt, muss er handeln. Bei falschen Eintragungen liegt es allerdings an ihm, den Nachweis des Fehlers zu führen. Bei überalterten Daten kann er von der Schufa verlangen, dass diese Daten gelöscht werden. Vermieter sind schon vor einiger Zeit dazu übergegangen, von potenziellen neuen Mietern eine Schufa-Auskunft zu verlangen. Wie ärgerlich wäre es, die Traumwohnung nicht zu bekommen, weil ein Mitarbeiter der Schufa einen Haken falsch gesetzt hat, oder die Löschung eines Negativmerkmals versäumte. Eine Eine Schufa-Selbstauskunft verhindert, dass solche Nachteile auftreten.

Massive Auswirkungen bei der Kreditaufnahme

Fast alle Banken bieten heute Ratenkredite mit einem bonitätsabhängigen Zinssatz an. JE besser die Bonität, umso niedriger der Zins. Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch, je schwächer die Bonität, umso teurer wird das Darlehen. Ein falscher oder überalterter Schufa-Eintrag kann also bewirken, dass ein Kreditnehmer am Ende einen Zinssatz bezahlt, der eigentlich zu hoch angesetzt wurde, da seine Bonität besser ausfällt, als es das nicht aktuelle oder unkorrekte Schufa-Scoring vermuten lässt. Eine unberechtigte schlechte Schufa birgt an allen Ecken und Enden Nachteile. Jeder Verbraucher sollte im eigenen Interesse von seinem Recht Gebrauch machen, einmal im Jahr eine Schufa-Selbstauskunft anzufordern und die Einträge zu überprüfen.